Social Media ist längst mehr als nur Unterhaltung, es ist einer der wichtigsten Orte für Information, Austausch und Jobsuche. Dadurch gelten die sozialen Medien längst als fester Bestandteil moderner Recruiting-Strategien. Die Reichweite sozialer Netzwerke ist dabei enorm: Weltweit nutzen über 5,6 Milliarden Menschen Social Media – also rund zwei Drittel der Weltbevölkerung. In der Schweiz nutzen rund 7,27 Millionen Menschen aktiv Social Media, was etwa 81% der Bevölkerung entspricht. Für Unternehmen ist das eine enorme Chance: Kaum ein anderer Kanal ermöglicht es, so viele potenzielle Kandidatinnen und Kandidaten gleichzeitig zu erreichen.
Doch eine Frage bleibt entscheidend: Wo genau bewegt sich Ihre Zielgruppe?
Denn auch wenn grundsätzlich jede Branche auf Social Media vertreten ist, unterscheiden sich Plattformwahl, Nutzungskontext und Aktivität teilweise deutlich.
Zielgruppen bewegen sich unterschiedlich
Grosse Plattformen beeindrucken mit riesigen Zahlen: Instagram zählt in der Schweiz etwa 4,1 Millionen monatlich aktive Nutzer, TikTok über 2,8 Millionen. Auch berufliche Netzwerke sind stark gewachsen: LinkedIn verzeichnet in der Schweiz über 5,3 Millionen Mitglieder.
Diese hohe Reichweite zeigt, wie gross das Potenzial sozialer Netzwerke für Recruiting ist. Gleichzeitig bewegen sich unterschiedliche Berufsgruppen auf unterschiedlichen Plattformen, teilweise beruflich, teilweise privat.
Für Unternehmen bedeutet das: Die Herausforderung besteht weniger darin, ob eine Zielgruppe online ist, sondern vielmehr darin zu verstehen, auf welchen Plattformen sie sich besonders häufig bewegt.
Pflege und Gesundheitsberufe
In der Pflegebranche ist die Social-Media-Nutzung grundsätzlich hoch, insbesondere auf Facebook und Instagram. Viele Fachkräfte zwischen 25 und 55 Jahren sind dort täglich aktiv.
Diese Plattformen werden häufig für private Inhalte, Austausch oder Unterhaltung genutzt. Gleichzeitig bieten sie Unternehmen die Möglichkeit, Pflegefachkräfte dort zu erreichen, wo sie sich ohnehin täglich aufhalten.
Gerade in Branchen mit hoher Nachfrage nach Fachpersonal kann Social Media deshalb eine wichtige Rolle spielen, um Stellen sichtbar zu machen und Aufmerksamkeit für Arbeitgeber zu schaffen. Durch präzises Targeting können Pflegekräfte in ihrem privaten Social-Media-Umfeld erreicht werden, auch wenn sie nicht aktiv auf Jobsuche sind.
Bau und Handwerk
Auch im Bau- und Handwerksbereich ist die Social-Media-Nutzung grundsätzlich hoch. Laut Bitkom Social Media Report 2023 spielen insbesondere Facebook-Gruppen eine wichtige Rolle für für Austausch, Empfehlungen und Vernetzung innerhalb der Branche.
LinkedIn ist vor allem für Bauleiter, Ingenieure oder Projektverantwortliche relevant, während gewerbliche Fachkräfte dort seltener aktiv sind.
Das zeigt: Auch innerhalb einer Branche können unterschiedliche Plattformen relevant sein – je nach Funktion oder Tätigkeit.
Projektmanagement und Management
Im Projektmanagement, Consulting oder in Managementfunktionen spielt LinkedIn eine besonders wichtige Rolle. Fach- und Führungskräfte nutzen das Netzwerk häufig für beruflichen Austausch, Fachinhalte und zur Pflege ihres beruflichen Netzwerks.
Laut LinkedIn Talent Insights geben über 70 Prozent der Fach- und Führungskräfte an, offen für neue berufliche Möglichkeiten zu sein, selbst wenn sie nicht aktiv auf Jobsuche sind.
In diesen Branchen ist Active Sourcing ein besonders effektives Instrument, da qualifizierte Kandidaten identifizierbar und direkt ansprechbar sind. Ergänzend können gezielte Job Ads die Sichtbarkeit erhöhen und latent wechselbereite Fachkräfte zusätzlich aktivieren.
Kaufmännische Berufe
Fachkräfte im administrativen oder kaufmännischen Bereich sind in der Regel sowohl auf Business-Netzwerken als auch auf klassischen Social-Media-Plattformen präsent. Während Instagram und Facebook vor allem privat genutzt werden, spielt LinkedIn insbesondere bei Fach- und Führungskräften eine zunehmende Rolle.
Die Social-Media-Präsenz ist hier breit gefächert und für Unternehmen entsteht dadurch die Möglichkeit, potenzielle Kandidaten über Social Media zu erreichen, bevor überhaupt eine konkrete Wechselabsicht entsteht.
Gastronomie und Hotellerie
In der Gastronomie und Hotellerie ist die Social-Media-Nutzung besonders visuell geprägt. Plattformen wie Instagram und zunehmend auch TikTok werden intensiv genutzt, insbesondere von jüngeren Fachkräften im Service oder in der Küche. LinkedIn spielt in dieser Branche vor allem auf Management-Ebene oder bei grösseren Hotelketten eine Rolle.
Viele Restaurants oder Hotels nutzen Social Media bereits aktiv, um Einblicke in den Arbeitsalltag zu geben oder ihre Teams vorzustellen. Gleichzeitig verbringen viele Mitarbeitende dieser Branche selbst täglich Zeit auf diesen Plattformen.
Für Unternehmen eröffnet das eine zusätzliche Möglichkeit, Stellenangebote sichtbar zu machen und potenzielle Mitarbeitende dort zu erreichen, wo sie sich ohnehin regelmässig aufhalten.
Fazit
Die Frage, wie präsent eine Zielgruppe wirklich auf Social Media ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Ebenso lautet die zentrale Frage heute nicht mehr, ob Ihre Zielgruppe auf Social Media vertreten ist, denn grundsätzlich ist jede Branche digital präsent.
Viel entscheidender ist, auf welchen Plattformen sich unterschiedliche Berufsgruppen besonders häufig bewegen und wie Unternehmen diese Reichweite strategisch nutzen können.
Gerade in einem zunehmend kompetitiven Arbeitsmarkt wird Social Media damit zu einem wichtigen Bestandteil moderner Recruiting-Strategien, nicht nur, um aktiv suchende Kandidaten zu erreichen, sondern auch jene, die offen für neue Möglichkeiten sind, ohne aktiv danach zu suchen.


